Als ich noch regelmäßig in Kosovo und Bosnien unterwegs war, machten sich ziemlich viele Leute ziemlich viele Sorgen um mich. Zugegeben, es waren keine normalen touristischen Routen, auf denen ich mich bewegte und manchmal bestand auch tatsächlich Anlass zur Sorge. Meine Gedanken beschäftigten sich allerdings weniger mit durchgeknallten Selbstmordattentätern oder expplodierenden Landminen, sondern mit banaleren Dingen: mir ging es in erster Linie um den Straßenverkehr. Kaputte Asphaltdecken, Autos mit erbarmungswürdigen Reifenprofilen, Fahrer, die von chronischer Selbstüberschätzung getrieben wurden (Wer ist Michael Schuhmacher, wer bitteschön ...?!!) - habe ich etwa vergessen die Sicherheitsgurte zu erwähnen? Warum wohl? Erraten?!
Also kurz und gut: subjektiv und objektiv betrachtet, war der Straßenverkehr das definitiv größte Risiko, welches ich auf meinen Reisen einging.
Aber wer hätte erwartet, dass mich dieses Problem auch auf meiner (Lese)Reise im Rheinland wieder einholt?
Es wird dunkel in Bonn. Nach längerem Zögern wage ich endlich den Schritt auf die Kreuzung. Die Zeichen stehen günstig: die Fußgängerampel hat auf Grün geschaltet und wenn ich mich beeile, habe ich gute Chancen, dass es diesmal gelingt. Aber schon wieder erwischt es mich. Diesmal von links ... eine geduckte Gestalt in tarnfarbener Kleidung, unbehelmt und mit wildem Blick saust um Haaresbreite an mir vorbei. Ich schaue auf die Fahrbahnmarkierungen. Nein, ich befinde mit NICHT auf dem Radweg - und während ich noch grüble, ob hier andere Verkehrsregeln gelten - springt die Ampel wieder auf Rot. Rechts und links heulen Automotoren auf. Verzweifelt kehre ich wieder auf an den Fahrbahnrand zurück. Empfängt mich dort etwa hämisches Grinsen der anderen Fußgänger? Was mache ich nur falsch?
Für mich steht fest: der Kampf zwischen Fußgängern und Radfahrern in Bonn ist einer der härtesten - allenfalls vergleichbar mit dem in Freiburg undMünster.
Es stellt sich die Frage: werde ich es in die Altstadt schaffen? Ich habe noch 30 Minuten - dann beginnt dort meine Lesung.
Beruhigend: ohne mich werden sie wohl kaum anfangen - oder?!
Mittwoch, 2. März 2011
Dienstag, 1. März 2011
Übrigens - was ist eigentlich 'ne Lesung?
Das fragte mich ein 12-jähriges Mädchen in Köln, welches dann ganz fasziniert und konzentriert zuhörte - und danach noch jede Menge Fragen hatte ...
Eine Lesung ist also viel mehr, als 'nur' vorzulesen. Acht Tage lang hintereinander denselben Text zu lesen, ist schon eine Herausforderung - vor allem für die Stimme. Aber ganz ehrlich: niemals ist mir dabei langweilig geworden. Es ist vielleicht immer derselbe Text - aber niemals der gleiche! Zwischen Publikum und Vorleserin entsteht ein Energiefluss, der jede einzelne Lesung zu etwas ganz und gar Einzigartigem werden lässt
Lesung ist aber auch, wenn so etwas passiert: eine ganz besonders rührende Stelle - es wird ganz still - einige Zuhörer/innen haben Tränen in den Augen - Pause.
Eine ältere Dame steht auf und holt eine Kuchenplatte vom Tisch: "So, jetzt muss ich aber erstnmal eine Runde Streuselkuchen ausgeben - und jetzt: wer will Kaffee?!"
Nachdem alle gut geerdet und genährt sind, darf / kann ich weiterlesen.
Auch das ist Lesung!
Eine Lesung ist also viel mehr, als 'nur' vorzulesen. Acht Tage lang hintereinander denselben Text zu lesen, ist schon eine Herausforderung - vor allem für die Stimme. Aber ganz ehrlich: niemals ist mir dabei langweilig geworden. Es ist vielleicht immer derselbe Text - aber niemals der gleiche! Zwischen Publikum und Vorleserin entsteht ein Energiefluss, der jede einzelne Lesung zu etwas ganz und gar Einzigartigem werden lässt
Lesung ist aber auch, wenn so etwas passiert: eine ganz besonders rührende Stelle - es wird ganz still - einige Zuhörer/innen haben Tränen in den Augen - Pause.
Eine ältere Dame steht auf und holt eine Kuchenplatte vom Tisch: "So, jetzt muss ich aber erstnmal eine Runde Streuselkuchen ausgeben - und jetzt: wer will Kaffee?!"
Nachdem alle gut geerdet und genährt sind, darf / kann ich weiterlesen.
Auch das ist Lesung!
Mittwoch, 23. Februar 2011
Heute morgen hatte ich wieder einmal in unserer Gemeindebücherei eine Lesung für eine 6. Klasse unserer Realschule - es schloss sich eine Büchereiführung an (Danke an Frau Jung!!) - und wir werden sicher wieder eine Menge neuer Leseratten für unsere Bibliothek gewonnen haben!
Da fällt mir eine schöne Sache ein, die ich Rheinland immer wieder gesehen habe: öffentliche Bücherschränke. Eine sehr schöne und sicher nachahmenswerte Sache, die es (laut Wikipedia) in Baden-Württemberg leider erst an drei Orten gibt.
Gestern schrieb ich ja über "Brennpunkte" - für jemanden, der für das geschriebe Wort "brennt", stellt sich immer wieder die Frage des Austausches. Bücher alleine zu lesen macht oft nur wenig Sinn - für mich ist der Austausch, der Dialog, meinetwegen auch der Streit über das gedruckte Wort wichtig - deswegen lesen wir uns in unserer Familie auch immer wieder Zeitungsartikel oder Buchkapitel gegenseitig vor ...
Es stellt sich die Frage: wie kann der Austausch von Büchern auch an solchen Orten intensiviert werden, die man gemeinhin als "bildungsfern" bezeichnet?
Öffentliche Bücherschränke sind hier ein guter Ansatz - ich habe mit einigen Betreibern gesprochen. Vandalismus gab es so gut wie nie, kein einziger Bücherschrank hat je gebrannt (was durchaus eine Sorge war), teilweise wurden die Schränke in einer Nacht-und Nebelaktion mit Graffiti verziert. An manchen Tagen quellen sie über, an anderen Tagen liegen nur zwei, drei Bücher drin ...
Ehrensache, dass ich einen Schrank in Köln-Kalk ebenfalls bestückt habe. Ich habe zu diesem Zweck mein Buch übrigens mit einem Label von bookcrossers versehen - doch dazu morgen mehr!
http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96ffentlicher_B%C3%BCcherschrank
Da fällt mir eine schöne Sache ein, die ich Rheinland immer wieder gesehen habe: öffentliche Bücherschränke. Eine sehr schöne und sicher nachahmenswerte Sache, die es (laut Wikipedia) in Baden-Württemberg leider erst an drei Orten gibt.
Gestern schrieb ich ja über "Brennpunkte" - für jemanden, der für das geschriebe Wort "brennt", stellt sich immer wieder die Frage des Austausches. Bücher alleine zu lesen macht oft nur wenig Sinn - für mich ist der Austausch, der Dialog, meinetwegen auch der Streit über das gedruckte Wort wichtig - deswegen lesen wir uns in unserer Familie auch immer wieder Zeitungsartikel oder Buchkapitel gegenseitig vor ...
Es stellt sich die Frage: wie kann der Austausch von Büchern auch an solchen Orten intensiviert werden, die man gemeinhin als "bildungsfern" bezeichnet?
Öffentliche Bücherschränke sind hier ein guter Ansatz - ich habe mit einigen Betreibern gesprochen. Vandalismus gab es so gut wie nie, kein einziger Bücherschrank hat je gebrannt (was durchaus eine Sorge war), teilweise wurden die Schränke in einer Nacht-und Nebelaktion mit Graffiti verziert. An manchen Tagen quellen sie über, an anderen Tagen liegen nur zwei, drei Bücher drin ...
Ehrensache, dass ich einen Schrank in Köln-Kalk ebenfalls bestückt habe. Ich habe zu diesem Zweck mein Buch übrigens mit einem Label von bookcrossers versehen - doch dazu morgen mehr!
http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96ffentlicher_B%C3%BCcherschrank
Dienstag, 22. Februar 2011
Lesen in Köln
Letzte Woche war ich im Rheinland unterwegs - ein paar nette Begebenheiten möchte ich mit Euch teilen!
Zum Beispiel diese Lesung in einer Kölner Bäckerei in einem sogenannten sozialen Brennpunkt. Die Lesung war gut besucht, Teller- und Löffelgeklapper und die kritische Anmerkung einer älteren Dame. "Wir sin ävver net hierherjekomme um ne Krimi ze höre, sondern um jet zu schwade ..." - aber dann war die Spannung doch stärker als der schwärzeste Kaffee - und Ruhe kehrte ein - nun ja, nicht gerade Friedhofsruhe, aber doch beinahe...
Hinterher unterhielt ich mich mit dem Besitzer der Bäckerei über so naheliegende Themen wie soziale Gerechtigkeit und Stadtteilentwicklung. Er sprach mir von Gentrifizierung. Ich musste das auch erst einmal nachschlagen.Ich bin weiterhin fest davon überzeugt, dass es keine Gerechtigkeit auf dieser Welt gibt, schon gar nicht in Stadtteilen mit hoher Fluktuation, aber ich sage das nicht laut. Zumindest nicht in einer Brennpunktbäckerei mit köstlichem Hefegebäck.Erwähnte ich bereits das Problem der Korruption?
Zum Beispiel diese Lesung in einer Kölner Bäckerei in einem sogenannten sozialen Brennpunkt. Die Lesung war gut besucht, Teller- und Löffelgeklapper und die kritische Anmerkung einer älteren Dame. "Wir sin ävver net hierherjekomme um ne Krimi ze höre, sondern um jet zu schwade ..." - aber dann war die Spannung doch stärker als der schwärzeste Kaffee - und Ruhe kehrte ein - nun ja, nicht gerade Friedhofsruhe, aber doch beinahe...
Hinterher unterhielt ich mich mit dem Besitzer der Bäckerei über so naheliegende Themen wie soziale Gerechtigkeit und Stadtteilentwicklung. Er sprach mir von Gentrifizierung. Ich musste das auch erst einmal nachschlagen.Ich bin weiterhin fest davon überzeugt, dass es keine Gerechtigkeit auf dieser Welt gibt, schon gar nicht in Stadtteilen mit hoher Fluktuation, aber ich sage das nicht laut. Zumindest nicht in einer Brennpunktbäckerei mit köstlichem Hefegebäck.Erwähnte ich bereits das Problem der Korruption?
Erwähnte ich, dass man lange und vergeblich auf die Verbesserung der Verhältnisse warten kann - aber vielleicht auch etwas tun sollte? Guckst du: http://www.stiftungkalkgestalten.de/
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