Mittwoch, 2. März 2011

Von den Gefahren des Reisens

Als ich noch regelmäßig in Kosovo und Bosnien unterwegs war, machten sich ziemlich viele Leute ziemlich viele Sorgen um mich. Zugegeben, es waren keine normalen touristischen Routen, auf denen ich mich bewegte und manchmal bestand auch tatsächlich Anlass zur Sorge. Meine Gedanken beschäftigten sich allerdings weniger mit durchgeknallten Selbstmordattentätern oder expplodierenden Landminen, sondern mit banaleren Dingen: mir ging es in erster Linie um den Straßenverkehr. Kaputte Asphaltdecken, Autos mit erbarmungswürdigen Reifenprofilen, Fahrer, die von chronischer Selbstüberschätzung getrieben wurden (Wer ist Michael Schuhmacher, wer bitteschön ...?!!) - habe ich etwa vergessen die Sicherheitsgurte zu erwähnen? Warum wohl? Erraten?!
Also kurz und gut: subjektiv und objektiv betrachtet, war der Straßenverkehr das definitiv größte Risiko, welches ich auf meinen Reisen einging.
Aber wer hätte erwartet, dass mich dieses Problem auch auf meiner (Lese)Reise im Rheinland wieder einholt?

Es wird dunkel in Bonn. Nach längerem Zögern wage ich endlich den Schritt auf die Kreuzung. Die Zeichen stehen günstig: die Fußgängerampel hat auf Grün geschaltet und wenn ich mich beeile, habe ich gute Chancen, dass es diesmal gelingt. Aber schon wieder erwischt es mich. Diesmal von links ... eine geduckte Gestalt in tarnfarbener Kleidung, unbehelmt und mit wildem Blick saust um Haaresbreite an mir vorbei. Ich schaue auf die Fahrbahnmarkierungen. Nein, ich befinde mit NICHT auf dem Radweg - und während ich noch grüble, ob hier andere Verkehrsregeln gelten - springt die Ampel wieder auf Rot. Rechts und links heulen Automotoren auf. Verzweifelt kehre ich wieder auf an den Fahrbahnrand zurück. Empfängt mich dort etwa hämisches Grinsen der anderen Fußgänger? Was mache ich nur falsch?
Für mich steht fest: der Kampf zwischen Fußgängern und Radfahrern in Bonn ist einer der härtesten - allenfalls vergleichbar mit dem in Freiburg undMünster.
Es stellt sich die Frage: werde ich es in die Altstadt schaffen? Ich habe noch 30 Minuten - dann beginnt dort meine Lesung.
Beruhigend: ohne mich werden sie wohl kaum anfangen - oder?!

Dienstag, 1. März 2011

Übrigens - was ist eigentlich 'ne Lesung?

Das fragte mich ein 12-jähriges Mädchen in Köln, welches dann ganz fasziniert und konzentriert zuhörte - und danach noch jede Menge Fragen hatte ...
Eine Lesung ist also viel mehr, als 'nur' vorzulesen. Acht Tage lang hintereinander denselben Text zu lesen, ist schon eine Herausforderung - vor allem für die Stimme. Aber ganz ehrlich: niemals ist mir dabei langweilig geworden. Es ist vielleicht immer derselbe Text - aber niemals der gleiche! Zwischen Publikum und Vorleserin entsteht ein Energiefluss, der jede einzelne Lesung zu etwas ganz und gar Einzigartigem werden lässt


Lesung ist aber auch, wenn so etwas passiert: eine ganz besonders rührende Stelle - es wird ganz still - einige Zuhörer/innen haben Tränen in den Augen - Pause.
Eine ältere Dame steht auf und holt eine Kuchenplatte vom Tisch: "So, jetzt muss ich aber erstnmal eine Runde Streuselkuchen ausgeben - und jetzt: wer will Kaffee?!"
Nachdem alle gut geerdet und genährt sind, darf / kann ich weiterlesen.
Auch das ist Lesung!